Sagen Sie uns, wo Sie der Schuh drückt! – Regionaldialog in Stuttgart

Teilnehmerinnen des Regionaldialogs diskutieren die Umsetzung der neuen Pflegestärkungsgesetze

Die Umsetzung der neuen Pflegestärkungsgesetze bedeutet für die gesamte Pflegebranche große Veränderungen. Was beabsichtigt das Bundesministerium für Gesundheit mit den Gesetzen und wo steht die Praxis auf dem Weg der Umsetzung? Welche Informationen wünschen sich Praktikerinnen und Praktiker der Pflege – und welche Unterstützung benötigen sie für eine erfolgreiche Umsetzung? Fast 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gingen diesen Fragen am 19. April 2016 beim ersten Regionaldialog „Pflege stärken“ für die Region Stuttgart nach.

Die Diskussionen wurden an sechs Thementischen geführt. Konzentriert, lebhaft und sehr konstruktiv sammelten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Fragen, Bedarfe und Befürchtungen mit Blick auf die Umsetzung der neuen Pflegestärkungsgesetze. Informationsbedarf besteht beispielsweise in der genauen Definition von Betreuungs- und Entlastungsleistungen, sowie bezüglich der Pflegeberatung der Angehörigen: In welcher Form soll die Zustimmung für die Beratung durch die Pflegebedürftigen erfolgen, und wie erfahren die Angehörigen von diesem Angebot? Mit Blick auf die Förderung regionaler Netzwerke, die mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz eingeführt wird, bestand vielfach der Wunsch, konkrete Details zu Kriterien, Antragsverfahren und Fristen zu erhalten.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer äußerten einerseits ihre Sorge, dass somatisch Pflegebedürftige nach dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) schlechter gestellt werden. Diskutiert wurde aber auch, dass das Neue Begutachtungsassessment (NBA) und der neue Pflegbedürftigkeitsbegriff wirtschaftliche Risiken zu Lasten der Versorgung von Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeeinrichtungen bergenkönnte. Weitere Hindernisse für eine erfolgreiche Umsetzung der Pflegestärkungsgesetze sahen viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer darin, dass es zu wenig Angebote zur Betreuung und Entlastung (Kurzzeit- und Verhinderungspflege) gebe. Dabei, mache gerade der Grundsatz „ambulant vor stationär“ mehr solcher Plätze erforderlich. Großes Interesse zeigte sich am Thema NBA-Schulungen. Hier wurde vorgeschlagen, im Rahmen des Regionaldialogs noch vor der 2. Veranstaltungsrunde im Herbst ein Webinar für registrierte Nutzer der Dialogwebsite anzubieten.
Regina Kraushaar, Abteilungsleiterin Pflegesicherung und Prävention im Bundesministerium für Gesundheit, betonte, wie wichtig es ihr sei, auch zwischen den Veranstaltungen mit den Praktikerinnen und Praktikern im Gespräch zu bleiben und dankte für den intensiven und konstruktiven Austausch. „Sagen Sie uns, wo Sie der Schuh drückt! Ihre heute gestellten Fragen und Hinweise helfen uns, Ihnen die Informationen und Unterstützung anzubieten, die Sie für eine gute Umsetzung der Pflegestärkungsgesetze benötigen.“

Die Folgeveranstaltung des Regionaldialogs Pflege stärken für die Region Stuttgart findet im Herbst statt. Alle Teilnehmenden wurden eingeladen, sich in der Zwischenzeit hier auf der Website www.regionaldialog-pflege.de zu informieren und an Online-Angeboten teilzunehmen.